Voruntersuchung mittels leitfadengestütztem Interview

Dem Pre-Test ging eine Voruntersuchung in einer der drei Gemeinden voraus, die an dem Pre-Test teilgenommen haben. Dabei wurde mit 14 Konfis sowie 4 Mitarbeitenden/Teamer_Innen eine Befragung mittels leitfadengestütztem Interview durchgeführt, die sich bei der Befragung der Jugendlichen an den folgenden drei Leitfragen orientierte:

  1. Mit wie viel Glaubenspraxis sind die Jugendlichen vor Beginn ihrer Konfi-Zeit bereits in Berührung gekommen?
  2. Inwieweit trägt die Konfi-Zeit dazu bei, dass die Jugendlichen ihre Glaubenspraxis im Alltag ausbauen können?
  3. Würden sich die Konfis für die verbleibende Zeit bis zur Konfirmation wünschen, (mehr) Möglichkeiten aufgezeigt zu bekommen, damit der Glaube auch in ihrem Alltag außerhalb der Gemeinde eine Rolle spielt?

Die Befragung der Mitarbeitenden im Team orientierte sich an folgenden Leitfragen:

  1. Welche Möglichkeiten haben die Mitarbeitenden, eigene Themenwünsche für die Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden durchzusetzen und wie häufig haben sie davon Gebrauch gemacht?
  2. Können die Mitarbeitenden eine Aussage dazu treffen, mit welcher christlichen Sozialisation die Jugendlichen in die Konfi-Zeit starten (und wenn ja, welche)?
  3. Welchen Stellenwert räumen die Mitarbeitenden der Gestaltwerdung des Glaubens im Alltag der Jugendlichen als Teil ihres Konfi-Zeit-Modells ein?

Da die inhaltliche Auswertung hier nur für eine einzige Gemeinde aussagekräftig wäre, bezieht sich die Vorarbeit für den Pre-Test maßgeblich auf Erkenntnisse über den von den Befragten verwendeten Sprachgebrauch zu ebendiesem Thema, um Formulierungen bei der Gestaltung des Pre-Tests besser auf die Zielgruppe abstimmen zu können:

Abendgebet Den Begriff „Abendgebet“ kennen die meisten Konfis und können auch eigene Formulierungen dafür finden. Beispiele für eigene Formulierungen sind "abends gebeten", "im Bett mal ein Gebet", "gebetet vorm Schlafengehen".
Alltag Den Begriff „Alltag“ haben zwei Konfis selbst genutzt, denen das Wort in der Frage vorgegeben war. Ein Konfi hat eine eigene Formulierung gefunden ("im alltäglichen Leben"). Einige haben unverständig reagiert. In vier von 14 Fällen wurde mit eigenen Beispielen dazu treffend auf die Frage geantwortet.
Tischgebet Den Begriff „Tischgebet“ nutzen einige Konfis selbst und viele können auch eigene Formulierungen dafür finden. Beispiele für eigene Formulierungen sind "beim Essen gebetet", "vor jedem Essen beten", "n Gebet am Tisch".
Lieder Die Bezeichnung "([Christliche] Gute-Nacht-)Lieder" hat kein Konfi benutzt. Es hat kein Konfi von sich aus über das Singen als Teil einer Glaubenspraxis überhaupt gesprochen. Auf Nachfrage kam bei drei Konfis eine positive Reaktion. Davon hat ein Konfi eine eigene Formulierung genutzt: "abends n Lied".
Bibellese Die Formulierung "Aus der Bibel (vor-)lesen" wurde von zwei Jugendlichen aus der Frage übernommen und von einem von sich aus genannt. Alle Gefragten haben verständig geantwortet, aber keine eigenen Formulierungen genutzt.
Christenlehre Obwohl das Thema "Christenlehre" nie vom Interviewer angesprochen wurde, ist es von vier Konfis (einer gebrauchte dafür die Bezeichnung „Anfängerkurs“) als Glaubenspraxis vor der Konfi-Zeit genannt worden. Ein weiterer Konfi nannte die „Kinderkirche“ als Glaubenspraxis vor der Konfi-Zeit.
Gottesdienst Sechs Jugendliche haben von sich aus den "Gottesdienst" als Glaubenspraxis aufgezählt, ohne dass ihnen diese Formulierung vorgegeben war. Dabei wurde das Wort „Gottesdienst“ dreimal genannt. Einmal wurden die „Predigten“ stellvertretend genannt und zweimal die Formulierung „in der Kirche“. Zumeist wurde das Wort als Teil konkreter Gottesdienste verwendet, bspw.: "Weihnachtsgottesdienst", "Gottesdienst zu Ostern".
Schule Insgesamt fünf Konfis gaben auf die Frage nach ihrer Glaubenspraxis im Alltag Situationen aus der Schule an, davon vier ohne explizit daraufhin angesprochen worden zu sein. Formulierungen dafür sind bspw. "Also zum Beispiel bei Klassenarbeiten ist es halt so schon vorher, dass man sich halt so wünscht und zu Gott spricht, dass man 'ne gute Note bekommt dann.", "Wenn mir langweilig in der Schule ist, dann mach ich das halt, also das Gebet.".

Insgesamt haben die Konfis in der folgenden Verteilung davon berichtet, dass sie die folgenden genannten Handlungen als Glaubenspraxis vor der Konfi-Zeit kannten und praktizierten:

Bezeichnung Anz. Konfis K1 K2 K3 K4 K5 K6 K7 K8 K9 K10 K11 K12 K13 K14
Abendgebet 5 x   x     x x             x
Freizeitgebet 1                   x        
Bibellese 2 x   x                      
Christenlehre 5 x x x   x       x          
Gottesdienst 6   x         x     x x x x  
Lieder singen 3             x   x     x    
Tischgebet 6     x     x x   x x       x
Schulgebet 5   x   x x     x           x
Summe:   3 3 4 1 2 2 4 1 3 3 1 2 1 3

Bei den Mitarbeitenden wurde zudem im genannten Kontext die Frage der Authentizität aufgeworfen. Diese zeichnete sich zum einen als wichtig für die Jugendlichen ab, wenn es um Glaubensfragen geht. Am Beispiel der Frage von den Jugendlichen an die Mitarbeitenden, "Ist Jesus Gottes Sohn?", stellen Jugendliche nicht primär den Inhalt der Antwort als vielmehr die Authentizität der Person in Frage, die den Glauben vermittelt. Die Jugendlichen würden häufig lieber ein aus der Perspektive des Mitarbeitenden gesprochenes "Ja, für mich ist er das!" hören als lange Vorträge über "was heißt denn überhaupt diese Sohnschaft" oder ein entfremdetes "der gläubige Mensch sagt ja". Zum anderen ist Authentizität auch im Hinblick auf die Vermittlung von Spiritualität wichtig. Hier wurde die Frage thematisiert, inwiefern durch die eigene Spiritualität der Mitarbeitenden eine Grenze bei der Vermittlung von Spiritualität den Konfirmandinnen und Konfirmanden gegenüber gesetzt wird. Dabei haben die geschilderten Erfahrungen gezeigt, dass Mitarbeitende, die sich selbst für wenig fromm und kaum spirituell halten, auch Schwierigkeiten damit haben, den Jugendlichen eine gewisse Alltagsfrömmigkeit und Spiritualität zu vermitteln.

Bei einem Interview wechselte der Fragende zwischen dem Siezen und dem Duzen. Das macht die Auswertung im Bezug auf eine Aussage des Antwortenden uneindeutig: Wurde "Sie" oder "sie" verstanden? Davon abgesehen wurde der Gebrauch des "Sie" in der Rückmeldung im Nachgespräch als "komisch" bezeichnet. Es sollte daher darauf geachtet werden, dass die Anrede nicht nur kontinuierlich bleibt, sondern auch angemessen ausgewählt wird: Erwachsene Personen sollten gesiezt werden, während Minderjährige geduzt werden sollten.

Die Auswertung der Interviews hat auch ergeben, dass keine_r der Jugendlichen nachgefragt hat, wenn etwas nicht verstanden wurde. Dass einzelne Begriffe nicht verstanden worden sind, ergab sich vielmehr aus dem Zusammenhang der gegebenen Antworten.